Die Leiden des jungen Ossian oder « Mein Heil hab’ich verloren! »

Die Leiden des jungen Ossian oder « Mein Heil, hab’ich verloren » Drehbuchkonzept

Broschüre am 17. November 2004 erschienen

von Vincent Lepalestel

Der gleichnamige Briefroman von Vincent Lepalestel und Iris Behnke soll 2020 erscheinen!

In französischer Sprache in Vorbereitung mit Titel

Le Rideau de frères

Hiermit sichern wir zunächst folgende Zusammenfassung des Romans als künftiges Drehbuch, das für Filmregisseure bestimmt ist!

Kurze Zusammenfassung:

Wie Goethes Werther begeht Thomas Ossian, ein junger « Ossi », Selbstmord. Sein Beweggrund ist jedoch nicht Liebeskummer, sondern seine Unfähigkeit im westlichen Teil der Bundesrepublik Fuß zu fassen. In Briefen an seine Eltern im Osten und seine Freundin im Westen schildert er seinen Leidensweg seit jenem Tag, an dem er Dresden verlies. Sein französischer Freund Henry sammelt diese Briefe wie auch seine eigenen Antworten darauf, die auch einige kulturelle Aspekte des Deutschtums tangieren. Dieser briefliche Meinungsaustausch bildet den Kern des Romans. Der wesentliche Unterschied zum « Werther » ist, dass der Held doch nicht stirbt. Dies steht allegorisch für « Deutschland darf nicht untergehen! »

Resümee

Wir schreiben das Jahr 1994. Am Schutterwälder See bei Offenburg, wird der leblose Körper eines jungen Mannes entdeckt: Die Beschreibung des Toten erinnert stark an Rimbauds Gedicht « Der Schläfer im Tal ».
Der Fundort liegt unmittelbar am Wasser. Die Todesursache gibt der Polizei Rätsel auf, bis sie sie im Wasser ortet. Hatte man zunächst Mord vermutet, stellt sich der Fall bald eindeutig anders dar: Es hat den Anschein, als hätte der 25-jährige die Pistole unmittelbar nach dem Schuss noch in den See schleudern können! Bei sich führte er genügend Papiere, um identifiziert zu werden: Thomas Ossian, Jahrgang 1969, Kraftfahrzeugschlosser, wohnhaft in Offenburg.

Thomas Ossian lernt Henry, den Franzosen kennen

Gebürtig in Dresden, zieht Thomas Ossian gleich nach der Wende in den « goldenen » Westen. In Straßburg freundet er sich mit dem französischen Akademiker Henry an, der später die von Ossian – an die Freundin und an die Eltern – geschriebenen Briefe zusammen mit seinen eigenen Antworten sammeln und veröffentlichen wird.

Die Briefe

In diesen Briefen lässt Ossian seinem Frust und seinen Enttäuschungen freien Lauf. Seiner Freundin oder Henry schickt er gefühlsbetonte, jugendlich anmutende und manchmal auch recht befangene Texte, während die Briefe an die Eltern rationaler erscheinen. Dem Leser wird es überlassen, sich seine eigene Synthese daraus zu erschaffen.
Unter anderem prangert Ossian an, dass die « Wessis » lediglich nach dem goldenen Kalb trachteten, dass sie die Amerikaner plump nachäfften und dabei – dadurch? – zusehends kulturlos und oberflächlich würden. Auch bemängelt er, dass es in « diesem unseren Lande » keine Seele mehr zu geben scheine, und dass die menschlichen Kontakte entsetzlich kalt seien!

Mein Wort « Heil » hab’ich verloren!

Henry hingegen verficht in seinen Antworten eine Wiederbelebung des Deutschen Kulturfundus: Unter anderem möchte er das « herrliche » Wort « HEIL » rehabilitieren – schließlich grüße man in vielen Sprachen mit « saludos, salut, salve, jiasu », und es nähme keiner Anstoß daran – !

Wie Tannhäuser – so Henry im Laufe der Handlung – könnte nach der Katastrophe jeder « Bundesdeutsche » ausrufen: « Mein Heil, mein Heil hab’ich verloren! » Der engagierte Franzose erklärt dem unbefangenen Thomas, die arme Wagnermusik könne nichts dafür, dass sie 12 Jahre lang von todbringenden Fanatikern missbraucht wurde. Viele glaubten sogar, der Komponist und « der Führer » seien Freunde gewesen! Dabei war Wagner schon 6 Jahre tot, als der aus Österreich stammende Vernichter Deutschlands 1889 zur Welt kam, so Henry weiter.

Radikalismus und Nationalismus, pfui! Heil Dir, Kultur!

Henry ist der Meinung, es obläge den Franzosen, den Deutschen zur Wiedererlangung ihrer kulturellen Identität – fern von jeglichem Nationalismus – zu verhelfen! Dem jungen Ossian zeigt er, wie sehr die deutsche Literatur mit der europäischen verflochten ist. Zum Beispiel macht er ihn mit einigen Werken Goethes bekannt wie dem Don Carlos oder den Leiden des jungen Werther, Dramen, die in Italien bzw. in Frankreich zu Opern wurden, nämlich Verdis Don Carlo und Massenets Werther. Aus letzterer scheint die herzzerreißende Arie « Was bin ich aufgewacht, du schöne Frühlingszeit? » Thomas Ossian nicht zu bewegen, im Gegensatz zu Henry, dem nämlich beim Anhören immer die Tränen kommen –
Dieser Mann schwärmt schon lange für Thomas Ossian, der ihn zwar sehr schätzt, seine Zuneigung jedoch nicht erwidern kann. Durch ihn ist er auch auf die sittlichen Unterschiede zwischen Ost und West aufmerksam geworden.
Wird anfangs dem Leser klar, weshalb Thomas Ossian den Osten verlassen hatte, so zählt der Held im antithetischen Teil die Gründe auf, die ihn bewogen haben, nicht gleich die Flucht zu ergreifen und in die ehemalige DDR zurückzukehren: Massenverarmung, rechtsradikale Anschläge, Rassismus, Schlamperei, Korruption, zum größten Teil Überbleibsel aus beiden vergangenen Regimen. 

Epilog

Thomas Ossian ist nicht tot, sondern war nur oberflächlich verletzt: Er hat ein paar Tage bewusstlos im Klinikum verbracht und kam dann wieder « zu sich », als Henry ihm eine Tonkassette vorspielt, jene mit Massenets Oper Werther « Was bin ich aufgewacht? ». Der Franzose wird dazu beitragen, dass Ossian wieder zu neuen Kräften kommt und die Hoffnung wieder findet.
Bewusst lassen die Autoren – NN wirde noch gesucht! – die Geschichte optimistisch enden, denn der Held ist eine Allegorie Deutschlands, und – eben aus Henrys Warte – muss dieses Land eine kulturelle Renaissance erleben! Unmissverständlich geht es hier um Werte, die überhaupt nichts mit irgendeinem politischen Couleur – ob rechts, links, oben oder unten – zu tun haben!