Die Leiden des jungen Ossian

Die Leiden des jungen Ossian: Drehbuchkonzept Broschüre – 17. November 2004

von Vincent Lepalestel (Autor) und N.N.

Hiermit sichern wir zunächst folgende Zusammenfassung des Romans als künftiges Drehbuch, das für Filmregisseure bestimmt ist!
Kurze Zusammenfassung: Wie Goethes Werther begeht Thomas Ossian, ein junger « Ossi », Selbstmord. Sein Beweggrund ist jedoch nicht Liebeskummer, sondern seine Unfähigkeit im westlichen Teil der Bundesrepublik Fuß zu fassen. In Briefen an seine Eltern im Osten und seine Freundin im Westen schildert er seinen Leidensweg seit jenem Tag, an dem er Dresden verlies. Sein französischer Freund Henry sammelt diese Briefe wie auch seine eigenen Antworten darauf, die auch einige kulturelle Aspekte des Deutschtums tangieren. Dieser briefliche Meinungsaustausch bildet den Kern des Romans. Der wesentliche Unterschied zum « Werther » ist, dass der Held doch nicht stirbt. Dies steht allegorisch für « Deutschland darf nicht untergehen! »

Resümee
Wir schreiben das Jahr 1994. Am Schutterwälder See bei Offenburg, wird der leblose Körper eines jungen Mannes entdeckt: Die Beschreibung des Toten erinnert stark an Rimbauds Gedicht « Der Schläfer im Tal ».
Der Fundort liegt unmittelbar am Wasser. Die Todesursache gibt der Polizei Rätsel auf, bis sie sie im Wasser ortet. Hatte man zunächst Mord vermutet, stellt sich der Fall bald eindeutig anders dar: Es hat den Anschein, als hätte der 25-jährige die Pistole unmittelbar nach dem Schuss noch in den See schleudern können! Bei sich führte er genügend Papiere, um identifiziert zu werden: Thomas Ossian, Jahrgang 1969, Kraftfahrzeugschlosser, wohnhaft in Offenburg.
Gebürtig in Dresden, zieht Ossian gleich nach der Wende in den « goldenen » Westen. In Straßburg freundet er sich mit dem französischen Akademiker Henry an, der später die von Ossian an die Freundin und die Eltern geschriebenen Briefe zusammen mit seinen eigenen Antworten sammeln und veröffentlichen wird.
In diesen Briefen lässt Ossian seinem Frust und seinen Enttäuschungen freien Lauf. Seiner Freundin oder Henry schickt er gefühlsbetonte, jugendlich anmutende und manchmal auch recht befangene Texte, während die Briefe an die Eltern rationaler erscheinen. Dem Leser wird es überlassen, sich seine eigene Synthese daraus zu erschaffen.
Unter anderem prangert Ossian an, dass die « Wessis » lediglich nach dem goldenen Kalb trachteten, dass sie die Amerikaner plump nachäfften und dabei – dadurch? – zusehends kulturlos und oberflächlich würden. Auch bemängelt er, dass es in « diesem unseren Lande » keine Seele mehr zu geben scheine, und dass die menschlichen Kontakte entsetzlich kalt seien!

Henry hingegen verficht in seinen Antworten eine Wiederbelebung des Deutschen Kulturfundus: Unter anderem möchte er das « herrliche » Wort « HEIL » rehabilitieren – schließlich grüße man in vielen Sprachen mit « saludos, salut, salve, jiasu », und es nähme keiner Anstoß daran – ! Henry ist der Meinung, es obläge den Franzosen, den Deutschen zur Wiedererlangung ihrer kulturellen Identität – fern von jeglichem Nationalismus – zu verhelfen!
Dieser Mann schwärmt schon lange für Thomas Ossian, der ihn zwar sehr schätzt, seine Zuneigung jedoch nicht erwidern kann. Durch ihn ist er auch auf die sittlichen Unterschiede zwischen Ost und West aufmerksam geworden.
Wird anfangs dem Leser klar, weshalb Thomas Ossian den Osten verlassen hatte, so zählt der Held im antithetischen Teil die Gründe auf, die ihn bewogen haben, nicht gleich die Flucht zu ergreifen und in die ehemalige DDR zurückzukehren: Massenverarmung, rechtsradikale Anschläge, Rassismus, Schlamperei, Korruption, zum größten Teil Überbleibsel aus dem vergangenen Regime.

Epilog
Thomas Ossian ist nicht tot, sondern war nur oberflächlich verletzt: Er hat ein paar Tage bewusstlos im Klinikum verbracht und kam dann wieder « zu sich ». Henry wird dazu beitragen, dass er wieder zu neuen Kräften kommt und die Hoffnung wieder findet.
Bewusst lassen die Autoren die Geschichte optimistisch enden, denn der Held ist eine Allegorie Deutschlands, und – eben aus Henrys Warte – muss dieses Land eine Renaissance erleben!