Verdi und Wagner speisen gemeinsam ODER Er hat mich nie geliebt

Hier eine Geschenkidee für Musik- und Bücherfreunde: Hören sie Verdis Musik gern? Oder ziehen sie Wagner vor? Stehen sie auf beide Komponisten? Dann könnten sie sich nach Paris begeben und die Passage Jouffroy besuchen: Dort werden sie erleben, wie beide Opernstars im Januar 1858 im Speiselokal Le Dîner de Paris gemeinsam zu Mittag aßen und dabei Manches zu begießen hatten! Da in diesem Restaurant – während die Gäste speisten – auch kleine Aufführungen stattfanden oder Künstler zu kurzen Darbietungen auftraten, bezeichnete man es als Estaminet lyrique.

Im am 01.03.2018 erschienenen « Buffo-Roman » mit Titel Verdi und Wagner speisen gemeinsam,  handelt es sich um die aktualisierte Fassung von Verdi – Roman der Oper“, die Franz Werfel neulich herausgebracht hat. Bei diesem Unterfangen hat ihm Golo Mann unter die Arme gegriffen. Eine authentische Fiktion also!
Der französische Originaltitel lautet Le Dîner de Paris und das Werk wurde vom Urheber übersetzt. Der Zweittitel Er hat mich nie geliebt ist  eine Anspielung auf ein Zitat aus Verdis Don Carlo: « Sie hat mich nie geliebt »
Die hiesige Geschichte hat einen possenhaften Charakter und enthält zahlreiche Anspielungen an das Opern- und Konzertrepertoire der Jahre 1810-58.
In diesem Fall kennen sich Verdi und Wagner aber seit Jahren sehr gut und sind sich auch wirklich mehrmals begegnet, führen auch einen regen Briefwechsel: Hier erlebt man beide am 17.01.1858 – inkognito – anlässlich eines gemeinsamen Mittagessens in Paris. Das authentische Speiselokal hieß damals Le Dîner de Paris“, daher auch der französische Titel: Es befand sich unweit von der Opéra Le Peletier, in der Passage Jouffroy. Heutzutage ist der Saal kein Restaurant mehr, heißt auch anders.
Woher hat der Autor seine Wissenschaft, wird man sich fragen dürfen? Lepalestel verdankt sie einem Dutzend apokrypher Briefe, die u. a. von Henri Fantin-Latour, Cosima und Siegfried Wagner, Arrigo Boito, Emanuele Muzio stammen. Dieser Korpus stellt eine Art Ouvertüre dar.
Das eigentliche Theaterstück“ hat zum Gegenstand die Unterhaltung beider Ikonen, wie man es im Falle Mozart und Salieri (Puschkin), Gauß und Humboldt (Kehlmann), oder Fouché und Talleyrand („le Souper“ von J.-Cl. Brisville) erleben kann. Am Tisch der beiden Komponisten ziehen zwei Dutzend prominenter Persönlichkeiten – darunter Turgenew, Andersen, Degas und der junge Tschaikowsky – vorbei, und es wird geplaudert.
Zwei Überraschungen gibt es in dieser echt vermeintlichen / vermeintlich echten Begebenheit, jedenfalls haben anschließend Verdi und Wagner überhaupt nichts mehr Hieratisches an sich, und der Autor lässt endlich die langweilige Maske der Hagiographie fallen! 

Bestellen kann man das Buch (20 €) EAN 978 3-924343-42-2 direkt über die Emailanschrift editionsdutroubadour@yahoo.fr

Hier ein kleiner Auszug als Kostprobe: Die Deckenuhr des Restaurants ist stehen geblieben, und Wagner hat dem Kellner angeboten, sie wieder einzustellen. Verdi ist es peinlich. 

VERDI – Richard, du spinnst vollkommen!

WAGNER – Keine Bange, ich klettere mein Leben gern auf Bäume! Gleich siehst du´s, das Zeug zieh ich im Handumdrehen an!

Der Kellner kam in den mittleren Gang mit der Doppelleiter zurück, stellte sie unter die Deckenuhr und überreichte Wagner den Schlüssel zum Uhrwerk. Der Musiker krempelte seine Hose hoch und erklomm die Sprossen. Die anwesenden Gäste hörten zu essen auf, schauten zu ihm hoch, und manche unter ihnen betrachteten gierig seine prallen Waden. Beim Hochklettern führte er die lebhaften Bewegungen eines Turners aus, und man hörte, wie er vor sich hin Zitti, zitti, piano, piano, non facciamo confusione, per la scala del balcone presto andiamo via di qua sang. Ohne zu zögern, ging Verdi, der ziemlich beunruhigt war, hin und hielt ihm die Leiter fest. Als der Deutsche oben angelangt war, ließ er sich die genaue Uhrzeit geben, nämlich dreizehn Uhr dreißig, entledigte sich der Aufgabe und wandte sich mit Beinspielen und eines Zirkuskünstlers würdigen Posen dem ganzen Speisesaal zu:

WAGNER – Er hat mich nie geliebt, also weiß ich, was mir zu tun übrig bleibt!

(…)“